13.08.25

Warum trägt man in Deutschland den Ehering rechts?
Der Tausch der Ringe ist für jedes Ehepaar ein unvergesslicher und emotionaler Moment. Mit dem Anstecken der Eheringe wird die Zusammengehörigkeit des Paares symbolisiert und der gemeinsame Lebensweg besiegelt. Wie auch der Ehering selbst soll diese Verbindung nie enden und über viele Jahre Bestand haben. Vor der Trauung stellen sich jedoch viele Paare die Frage, an welcher Hand der Trauring getragen wird. Traditionell ist in Deutschland, Österreich, Polen, Russland, Bulgarien, Litauen, Norwegen und der Ukraine der rechte Ringfinger üblich – das war jedoch nicht immer so. Ursprünglich trug man den Trauring an der linken Hand, wie es auch heute noch in den meisten Ländern der Welt der Fall ist. Doch woher stammt die Tradition, den Ehering hierzulande rechts zu tragen?
Warum trägt man in Deutschland den Ehering rechts?
Schon im Alten Ägypten war der Trauring ein wichtiger Bestandteil der Eheschließung. Damals trug man ihn ausschließlich an der linken Hand. Der Grund lag im Glauben an eine sogenannte Liebesader (lateinisch Vena amoris), die direkt vom Herzen zum Ringfinger führen sollte und diesen so zum „Herzensfinger“ machte. Diese Vorstellung übernahmen auch die Christen. Spätestens ab dem 13. Jahrhundert war der Trauring ein fester Bestandteil der kirchlichen Trauung.
Zwar hat sich die Tradition, den Ring am Ringfinger zu tragen, bis heute gehalten, doch gibt es keine einheitliche Regel, an welcher Hand er getragen werden muss. Während in vielen westlichen Ländern – etwa Frankreich, Italien, den USA oder Großbritannien – der Ehering an der linken Hand üblich ist, bevorzugt man in den oben genannten Ländern die rechte Hand. Eine eindeutige Erklärung dafür existiert nicht, doch es gibt verschiedene Theorien.
Eine Frage – viele Antworten
Eine Vermutung führt zu den Germanen zurück. Demnach soll die Liebesader bei ihnen durch die rechte Hand verlaufen sein, weshalb der Ring an dieser Hand getragen wurde – eine Sitte, die sich bis heute erhalten habe.
Eine andere Überlieferung verweist auf das 16. Jahrhundert und die Reformation. Damals sollen Protestanten den Ehering bewusst an der rechten Hand getragen haben, als Symbol ihres Glaubens und als Abgrenzung von der bis dahin üblichen linken Hand.
Auch die Bibel wird als Quelle genannt: In Exodus 15,6 wird die rechte Hand mit dem Guten verbunden. Dieser symbolische Wert findet sich bis heute in der deutschen Sprache wieder, etwa in Redewendungen wie „Recht und Ordnung“ oder der Formulierung, dass etwas „rechtens“ ist. Hinzu kommt der Brauch, zur Begrüßung die rechte Hand zu geben, was als Zeichen von Respekt und Offenheit gilt.
Warum jedoch in vielen überwiegend katholischen Ländern der Ring trotzdem links getragen wird, ist nicht abschließend geklärt.
Muss der Ring an der rechten Hand getragen werden?
Eine verbindliche Vorschrift gibt es nicht. Der Brauch ist zwar in Deutschland tief verwurzelt, doch immer mehr Paare wählen eine andere Lösung. Häufig wird der Verlobungsring links getragen, der Ehering dann rechts, doch manche Paare entscheiden sich aus praktischen Gründen, ihn links zu tragen. Vor allem Rechtshänder bevorzugen diese Variante, da der Ring hier im Alltag weniger beansprucht wird.
Andere wiederum legen den Ehering im Alltag ganz ab, tragen ihn nur zu besonderen Anlässen oder führen ihn an einer Kette um den Hals. Letztlich ist die Wahl der Hand eine persönliche Entscheidung, die sowohl von Tradition und Glauben als auch von praktischen Überlegungen und individuellen Vorlieben abhängt.
Fazit
Warum der Ehering in Deutschland rechts getragen wird, lässt sich historisch nicht zweifelsfrei erklären. Mehrere Deutungen – von germanischen Überlieferungen über die Reformation bis zur biblischen Symbolik – stehen nebeneinander. Üblich ist in Deutschland die rechte Hand, verbindlich ist sie nicht: Viele Paare entscheiden sich aus praktischen oder persönlichen Gründen für die linke Hand oder alternative Trageweisen.
Inhaltliche Zusammenfassung
Herkunft & Symbole
„Vena amoris“ (Antike) Kirchliche Trauung (ab 13. Jh.) Reformation „Rechte Hand“ als Symbol des GutenWarum rechts in DE?
- Überlieferungen (Germanen-Erzählung)
- Reformatorische Praxis (Abgrenzung)
- Biblische Konnotation (Ex 15,6)
- Sprachliche Prägung („rechtens“, „Recht und Ordnung“)
Praxis heute
- Rechts üblich, ohne Pflicht
- Linke Hand aus praktischen Gründen (v. a. Rechtshänder)
- Alternativen: nur zu Anlässen, an Kette
- Entscheidung: individuell



